Wechselwirkungen von Medikamenten: Was Du wissen solltest

Hand greift in Axels Apotheke nach einer Arzneimittelpackung im Regal

Eine Szene, die wir mehrmals pro Woche erleben: Jemand löst ein Rezept für Blutdrucktabletten ein und legt noch eine Packung Ibuprofen dazu, „für den Rücken“. Wir fragen nach. Oft stellt sich heraus, dass das Schmerzmittel seit Wochen täglich genommen wird. Und genau da fängt das Thema Wechselwirkungen an.

Was eine Wechselwirkung ist

Zwei Wirkstoffe treffen im Körper aufeinander und beeinflussen sich. Der eine kann den anderen verstärken, abschwächen oder seinen Abbau in der Leber bremsen. Manchmal wird dadurch ein Medikament wirkungslos. Manchmal wirkt es plötzlich stärker, als es sollte. Das betrifft nicht nur verschreibungspflichtige Arzneimittel. Auch rezeptfreie Mittel, pflanzliche Präparate und Lebensmittel spielen mit.

Fünf Beispiele, die wir am Tresen regelmäßig sehen

Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac können die Wirkung von Blutdrucksenkern schwächen und bei längerer Einnahme die Nieren belasten, vor allem zusammen mit Entwässerungstabletten. Wer dauerhaft Schmerzmittel braucht, sollte das mit Praxis oder Apotheke besprechen, statt es stillschweigend weiterzunehmen.

Grapefruit und Grapefruitsaft hemmen ein Enzym in Darm und Leber, das viele Wirkstoffe abbaut. Bestimmte Cholesterinsenker, Blutdruckmittel und andere Medikamente können dadurch stärker wirken als gewollt. Ein Glas Saft am Morgen reicht dafür schon aus.

Johanniskraut, oft bei gedrückter Stimmung genommen, regt den Abbau anderer Medikamente an. Die Pille, Blutverdünner und manche HIV-Medikamente können dadurch an Wirkung verlieren. Viele wissen nicht, dass ein pflanzliches Mittel so viel Einfluss hat.

Schilddrüsenhormone vertragen sich schlecht mit Calcium, Eisen oder Magnesium, wenn sie gleichzeitig eingenommen werden. Das Hormon wird dann schlechter aufgenommen. Hier hilft oft schon ein zeitlicher Abstand von einigen Stunden. Wie groß er sein sollte, hängt vom Präparat ab, deshalb fragst Du am besten uns.

Manche Antibiotika binden sich an das Calcium aus Milch, Joghurt oder Käse und werden dann kaum noch aufgenommen. Die Packungsbeilage sagt dazu etwas, aber im Alltag geht das leicht unter.

Woran Du eine Wechselwirkung merken kannst

Das Schwierige ist: Oft merkst Du nichts. Ein Blutdruckmittel, das nicht mehr richtig wirkt, tut nicht weh. Andere Anzeichen sind unspezifisch: Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit, Herzstolpern, Schlafstörungen oder blaue Flecken. Wenn solche Beschwerden neu auftreten, nachdem ein Medikament dazugekommen ist, lohnt sich ein genauer Blick. Setz dann nichts selbst ab, sondern sprich mit uns oder Deiner Praxis.

Hilfreich ist eine aktuelle Liste von allem, was Du nimmst, auch das, was Du nur ab und zu brauchst. Schreib sie auf oder fotografiere die Packungen. Diese Liste zeigst Du bei jedem Praxisbesuch und bei uns, bevor etwas Neues dazukommt. So fällt auf, wenn zwei Mittel sich in die Quere kommen.

Warum mehrere Praxen das Risiko erhöhen

In Kreuzberg wohnen viele Menschen, die bei drei oder vier verschiedenen Praxen in Behandlung sind: Hausarzt, Orthopädie, Kardiologie, vielleicht noch Psychiatrie. Jede Praxis verordnet, was in ihrem Bereich richtig ist. Den Überblick über alles zusammen hat oft niemand. Genau an dieser Stelle sitzt die Apotheke, weil bei uns alle Rezepte zusammenlaufen, wenn Du immer zur selben kommst.

Der Medikamenten-Check bei uns

Nimmst Du dauerhaft fünf oder mehr Medikamente, hast Du als gesetzlich versicherte Person Anspruch auf eine ausführliche Medikationsberatung in der Apotheke, ohne Zuzahlung. Dafür vereinbaren wir einen festen Termin, damit wir in Ruhe arbeiten können. Du bringst alle Packungen mit, auch die rezeptfreien und die Nahrungsergänzung. Wir gehen sie Stück für Stück durch, prüfen auf Wechselwirkungen und Doppelungen, klären Einnahmezeiten und schreiben Dir einen aktuellen Medikationsplan. Was wir finden, besprechen wir mit Dir und bei Bedarf mit Deiner Praxis. Wir ändern nichts an Deiner Therapie, das bleibt Sache der Ärztin oder des Arztes.

Mehr dazu steht auf unserer Seite Pharmazeutische Dienstleistungen.

Dein nächster Schritt

Pack alles, was Du einnimmst, in eine Tüte und bring sie mit in die Rudi-Dutschke-Straße 8. Auch das Johanniskraut und die Magnesiumtabletten. Wir nehmen uns die Zeit und sagen Dir, ob alles zusammenpasst. Dafür brauchst Du kein Rezept, nur ein paar Minuten Geduld.

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